Galerie Carzaniga GmbH
  René Küng


1934
in Allschwil (CH) geboren

1949
Vorkurs an der Kunstgewerbeschule Basel (CH)

1950-53
Steinmetzlehre in Basel, danach Tätigkeit im Beruf

1957
Studienaufenthalt in Spanien

seit 1958
freischaffender Bildhauer

1964-68
Lehrer für Bildhaurei an der Kunstgewerbeschule Basel

1973-75
Arbeitsaufenthalte in Rom und Südfrankreich

1977
Heirat mit Silvia

1977-80
Atelier in den Freibergen JU

seit 1980
in Schönenbuch

seit 1982
teilweise in Le Beaucet, Südfrankreich

2001
Reise in die Sahara

2002
Aufenthalt in Aegypten


Ausstellungen

Seit 1971 Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland
Teilnahme an Kunstmessen

Zahlreiche Werke im öffentlichen Raum


Es gibt keinen Zweifel mehr: Küng ist von der Idee des vergänglichen eingenommen, besessen von der Konstante des menschlichen Schicksals, die sagt, dass der Mensch ohne Umterbruch immer unterwegs ist zu etwas oder jemandem. Und sein ganzes Werk legt davon Zeugnis ab. Ob in Stein oder aus Holz, jede Skulptur Küngs erzählt von einem Ort des Uebergangs oder evoziert Bewegung.

Hier sind Mondleitern, die dem zögernden Gang der Dichter ihre zerbrechlichen Sprossen als Stütze anbieten, Steintore, hinter denen das gleissende Licht eines Jenseits von ungewisser Realität schimmert; da sind Fenster mit kaum erkennbaren Rahmen, durch welche "Düfte, Farben und Töne sich Antwort geben" (Baudelaire) oder Windspiele, die sich in der Brise leicht bewegen; da sind keltische Harfen, die ihre Saiten aus Granit den singenden Liebkosungen des Land- oder Meerwindes entgegenspannen oder Melodien "a più voci", die sich vom Boden losreissen, um sich zum Himmel aufzuschwingen, während Flöten und Lauten in der stillen Heiterkeit ihrer Formen darauf warten gespielt zu werden; aber es gibt auch verwaiste, riesige Räder, die an den zurückgelegten Weg erinnern oder zukünftige Strasen versprechen und manchmal Boote aus Aesten, kaum geeignet, andere Wogen zu befahren als die der Wolken; oft sind es Mondtore und Sonnentore, wie zwei Finger einer neben dem andern aufgestreckt, durch welche sich der nicht endend wollende Fluss bald der Tage bald der Nächte windet, aber auch andere Tore zu anderen Wirklichkeiten, Iniationsbücher oder Chroniken des Alltäglichen. Ueberall ist Bewegung, überall Schwingung, überall Zeichen des Lebens, was in der bewegenden Reihe der Venus ihren Höhepunkt findet, wo Küng die wagemutige und bewusste Wette eingeht, uns zu unserer ursprünglichen Wahrheit zurückzuführen, nämlich zu derjenigen der allgegenwärtigen Weiblichkeit, welche diese mit Samt ausgeschlagenen Lebenspforten so vollkommen ausdrücken, die man zuerst durchbricht, indem man sie zerreisst und zu denen man für den Rest seines Lebens zurückzufinden strebt, wie um in der Zeit zurückzugehen oder einen alten Fehler zu korrigieren, der uns betrügerischerweise zum Tode hingeführt hat, indem er uns zum Licht lockte. Ist dies etwa eine rein maskuline Obsession, so wie dies gelesen worden ist? Es gibt jedoch genügend Stellen in Küngs Werk (gewisse tragen sogar eine Venus gleich einer männlichen Kariatide), um ein subtiles und beruhigendes Gleichgewicht wiederherzustellen.

Aber, wird man frage, warum den Stein als Ausdrucksmittel solch heikler Themen verwenden - hier massiv und viel mehr roh belassen als poliert? Hat Küng etwa, nachdem er sich allmählich die Freiheit zur sicheren Aussage erobert hat, sich das Recht genommen, die Dinge beim Namen zu nennen, in der Einheit von Form und Inhalt Gewissheiten zu verbinden, welche das nur Annähernde nicht ertragen? Die fragile Poesie der Werke aus Holz realtiviert rasch diese Fragestellung. Hier nun äussert sich in einer fast übermütigen Ausdrucksfreiheit und einer erstaunlichen Anmut der Mittel der ganze Anteil an poetischem und metaphysichem Zweifel, der unaufhörlich in Küngs Geist und Seele rivalisiert mit den erahnten Gewissheiten.

Hier, im Akzteptieren dieser konstanten und fruchtbaren Dialektik hat Küng zweifellos seinen Weg gefunden. Indem der die Widerstände bei seinem eigenen Suche übersetzt in bald solide, bald fragile Zeichen, akzeptiert er es, die Merkzeichen, die seinen Weg abgesteckt haben, mit seinen Mitmenschen zu teilen. Indem er getreu das Zufällige ihrer Reihenfolge wiedergibt, zeigt er sich so, wie er ist, ebensosehr von Zweifel wie von Sicherzeit eingenommen, ebenso von Hoffnung wie von Enttäuschung.

Wenn er sicher ist zu wissen, (oder wenn er glaubt sicher zu sein), greift er zum Meissel und behaut den Stein. Dann sagt er ohne zu zögern, dass der Lebensweg den Menschen von Tor zu Tor führt, manchmal ohne Angst, manchmal ohne Möglichkeit der Rückkehr, dass die Sonne und der Mond die zwei unverrückbaren Pole des inneren menschlichen Naturells sind, dass die Musik der Schwingungen des Windes in den Saiten einer Harfe ebenso unentbehrlich für die innere Harmonie ist wie die grazile Eleganz einer Steinblume, dass die Frau wesentlich ist für die Menschheit, immer neu, immer einzigartig ("Die dreizehnte kommt zurück ... und doch ist sie die erste", Nerval), dass Venus manchmal stärker verwurzelt ist im Herzen und im Körper des Mannes als das Leben selbst.

Aber wenn er noch am Suchen ist, wie den Zweifel, der den Künstler plagt, anders ausdrücken als mit einer flüchtigen Anordnung aus Holz, deren Linien weitgehend bei der Natur entliehen sind, der Mutter, (von der es gefährlich wäre, sich zu sehr zu entfernen in Zeiten der Unsicherheit)? Wie soll er sicher sein, dass die Leiter, die er geschaffen hat, ihn genau dorthin führt, wo er hingehen will? Wer könnte behaupten, alle Welten zu kennen, auf die hinaus sich ein kleines Fenster öffnet? Wer kann wirklich die schwarzen Zeichen lesen, die der Nachtwind an den dunklen Himmel zeichnet?

In jedem seiner Werke erklärt uns Küng die Welt von neuem. Solidarisch, unprätentiös zeigt er uns den Weg zum Verständnis der Zeichen. Selbst wenn er es scheinbar tut, indem er gewaltige Monumente aufrichtet, behauptet er nie. Ganz im Gegenteil, er scheint auch dann daran zu sein, seine Zweifel zu überwinden. Mit uns und manchmal für uns bemüht er sich, die vielfältigen Sprachen des Universums zu entziffern, ohne je auf die Abwege eines engstirnigen Dogmatismus oder irgendeiner Form von Belehrung zu geraten.
Darin beweist er sich als grosszügiger Mensch, als fesselnder Künstler und vielleicht mehr als alles andere als ein aufmerksamer, aufrichtiger und kompetenter Exeget des Lebens und des menschlichen Schicksals. Was kann man sich besseres wünschen, als mit ihm hinzugehen zu den Portalen, zu denen er uns den Weg zeigt.

Text des Ausstellungskataloges 1996 (vergriffen) von Jean-Pierre Jelmini


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Himmel und Höll, 1983
Holz, Schnur, Stein (Steinsockel)
220 x 94 x 40 cm
Ref. 1004-10






Kleine Bockleiter, 2007
Bronze, Multiple
Auflage 15 Exemplare
20 x 7 x 5 cm
Ref. 963






Scalaruota, 2008
Messing
190 x 120 x 50 cm
Ref. 965-1







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