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OT, 2009| Aquarell auf Papier, 40 x 84 cm | Ref. 169
OT, 2009
Aquarell auf Papier, 40 x 84 cm
Ref. 169
MEL, 2006| Aquarell auf Papier, 102 x 76 cm | Ref. 104
MEL, 2006
Aquarell auf Papier, 102 x 76 cm
Ref. 104

Till Freiwald

 

geboren 1963 in Lima/Peru
seit 2006 Lebt und arbeitet in Samkow, Mecklenburg

 

1985 bis 1991
Studium an der Kunstakademie Karlsruhe,
Meisterschüler bei Helmut Dorner

1993 bis 2000
(Einjähriges) Stipendium und anschliessender Aufenthalt in
St. Etienne (Frankreich)

2000 bis 2004
Aufenthalt in Brüssel

2004 bis 2006
Aufenthalt in Cortona (Italien)


Diverse Einzel- und Gruppenausstellungen in
Europa und Übersee



ZUR KATALOGBESTELLUNG

 

Man müsste die Geschichte des Auftragsportraits nachzeichnen, bevor man die Porträtdarstellung in Till Freiwalds Werk zu verstehen versucht, insbesondere auf das Verhältnis zwischen Auftraggeber und Porträtist hinweisen, wie es sich seit dem Bestehen der Fotografie in besonderer Weise entwickelte und dessen kompliziertes soziales und künstlerisches Zusammenspiel im Arbeitsprozess des Künstlers mit seinem Modell in all seinen Facetten zu Tage tritt. Zunächst ist die Entscheidung des Auftraggebers, ein gemaltes Abbild seiner Selbst anfertigen zu lassen, eine Entscheidung gegen die Fotografie, gegen eine Form der Redundanz, die, obschon seine Erscheinung im Lichtbild immerfort zu variieren scheint, doch immer die gleiche Irrealität suggeriert. Sich in der Fotografie selber zu Erkennen ist so schwierig wie Selbsterkenntnis beim Blick in den Spiegel zu gewinnen. Nach dem erschreckenden ersten Moment der Feststellung, sich so zu sehen wie das gespiegelte und durch Licht übertragene und eingefrorene Bild, entstanden in einem Moment ohne kognitiver Fähigkeit und ohne menschlichen Gefühls, durch den Prozess des Fotografierens vollzogen, folgt die ernüchternde und womöglich beruhigende Einsicht, dass Subjekt und Objekt zu weit auseinanderliegen um sich gegenseitig zu komplementieren oder gar in Frage zu stellen. Erst der Blick auf das Abbild eines Anderen öffnet die Pforte zur Interpretation, dem eigenen Abbild gegenüber bleibt sie verschlossen. Der Auftraggeber, der sich für sein gemaltes Portrait entscheidet, will von einem anderen Menschen gesehen und interpretiert werden und er überträgt diese Aufgabe dem Künstler, dessen Tätigkeit sie definiert und daher begründet.

Till Freiwald porträtiert vor lebendem Modell oder ab Fotografie. Im ersten Fall besteht die Möglichkeit kraft der persönlichen Anwesenheit des Modells den interpretativen Blick des Künstlers auf ein reales Beziehungsfeld auszuweiten, während im zweiten Fall allein die ins Bild geführte Emotionalität des Künstlers zu Tragen kommt. Die traditionelle Form der Porträtsitzung verlangt von beiden Akteuren unterschiedliche Disziplinierungen, nämlich das möglichst über längere Zeit gleichbleibende Posieren des Modells und das einheitliche Herausarbeiten einer Interpretation dieser Pose seitens des Künstlers. Ein schwieriges Vorhaben, das durch mehrere Sitzungen beziehungsweise mehrfach unterbrochener Entwicklungsschritte zusätzlich erschwert wird. Gewonnen werden hier aber die mehrfache Neubesinnung des Künstlers auf den realen Menschen, der sein Modell ist und die visuellen Varianten, die allein schon durch unterschiedliche Lichtverhältnisse hinzukommen. Die Stimmungsänderungen, die von Sitzung zu Sitzung von einer einheitlichen Entwicklungslinie wegführen, können also durchaus als Bereicherung verstanden werden.

Arbeitet Till Freiwald mit einer Fotografie des Auftraggebers entfallen zwar diese konstruktiven Abweichungen, dafür findet eine ruhigere und konzentriertere Auseinandersetzung mit dem Motiv statt. Die Arbeit verläuft nunmehr in Beziehung mit der Abbildung und in einem weiteren Sinne auch mit dem Medium Fotografie. Die Abbildung bringt den Vorteil, dass das Licht mittels einer Kamera bereits in die Zweidimensionalität geführt wurde und dergestalt vom Maler mehr oder weniger verwendet werden kann, womit Fragen der Proportionen und Perspektive zumeist im Vorfeld gelöst wurden. Dafür verlagert sich das Augenmerk des Künstlers auf die Behandlung der Flächen und ihrer materiellen Beschaffenheiten, denen Till Freiwald in farbigen wie auch in schwarz-weissen Bildern gleichermassen viel Beachtung schenkt. Die Aquarelltechnik entlässt den Betrachter aber nie aus dem Gefilde der Realität, indem etwa versucht würde die stofflichen Qualitäten auf einen haptischen Blick auszurichten. Im Gegenteil wird der Betrachter wegen der durch die Farbe scheinenden Präsenz des Papieres immer daran erinnert, dass er selbst die materiellen Identitäten konstituieren muss, um Haut, Stoff, Auge etc. sagen zu können. Während die Fotografie zurecht die Schaffung von Illusionen für sich in Anspruch nimmt, gibt Till Freiwald die fotografische Illusion der erkennenden Wahrnehmung zurück. Er beruhigt gewissermassen das fotografische Abbild des Auftraggebers indem er es zum Motiv erklärt, interpretiert und durch seine Hand auf ein Papier verteilt.

 

Autor: Michael Krethlow, 2018

 

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